Zum Hauptinhalt springen

Die Zeidler im Fichtelgebirge

Lange bevor es Bienenkästen gab, holten Waldimker den Honig aus hohlen Bäumen. Das Fichtelgebirge war eines ihrer wichtigsten Gebiete, mit eigenem Gericht, eigenen Rechten und fest zugeteilten Waldstücken. Ihre Geschichte erzählt viel darüber, warum Honig zu dem Ort gehört, an dem er entsteht.

Was ein Zeidler war

Das Fichtelgebirge war einst eines der Zentren der Zeidlerei, der mittelalterlichen Waldimkerei. Neben dem Nürnberger Reichswald gehörte es zu den wichtigsten Zeidelgebieten, denn gerade die Nadelwälder galten als besonders günstig für die Bienenhaltung.

Honig war über Jahrhunderte das wichtigste Süßungsmittel, und Bienenwachs war ein begehrter Rohstoff, vor allem für Kerzen. Entsprechend wertvoll waren die Bienenvölker im Wald und entsprechend streng geregelt ihre Nutzung.

Das Wort selbst erzählt noch vom Handwerk: "zeideln" heißt, die Honigwaben aus dem Stock zu schneiden.

Das Zeidelgericht zu Weißenstadt

1398 setzte Burggraf Johann III. von Nürnberg in Weißenstadt ein eigenes Zeidelgericht ein, zuständig für das ganze Fichtelgebirge.

Wer in den burggräflichen Wäldern zeideln wollte, musste dort zuerst eine Zeidelweide pachten. Diese Weiden wurden als Lehen vergeben, konnten vererbt und verkauft werden, und als Abgabe war meist Honig fällig.

Das Gericht wachte streng über die Bienen. Wer einen Bienenstock aufbrach, wurde behandelt wie ein Kirchenräuber. Den Vorsitz führte der Forstmeister, die Beisitzer wählte man aus den Reihen der Zeidler selbst. Das Gericht tagte bis ins 16. Jahrhundert, nach Angaben der Heimatpflege bis 1571.

Bienen im lebenden Baum

Die Zeidler hielten ihre Bienen nicht in Kästen, sondern in lebenden Bäumen, hier im Fichtelgebirge vor allem in Kiefern. In etwa zweieinhalb bis drei Metern Höhe hieben sie eine Höhlung in den Stamm, das Flugloch nach Süden oder Südosten ausgerichtet.

Jeder Beutenbaum trug ein Zeidelzeichen, ein Kreuz, ein Quadrat oder einen Halbmond, das ihn seinem Zeidler zuordnete. Wer ein solches Zeichen entfernte, wurde schwer bestraft.

Niedergang und Spuren

Mit den Kriegen des 16. und 17. Jahrhunderts und der fortschreitenden Rodung der Wälder ging die Zeidlerei zurück.

Vergessen ist sie nicht. Nur wenige Kilometer nördlich von Wunsiedel liegt das Zeitelmoos, ein Wald- und Moorgebiet, dessen Name bis heute an die Zeidelwälder erinnert.


Quellen

F. W. Singer, in: „Sechsämter Land", Beilage der Sechsämter Neuesten Nachrichten, Jg. 1, Nr. 9, 5. August 1950; Nachdruck als „Vom alten Zeidelwesen im Fichtelgebirge und dem Weißenstädter Zeidel-Gericht", Bürgerbote, 4. Juli 2020.
Heimatpflege Wunsiedel, Ortsartikel Weißenstadt.